2003 – Dänemark-Törn

TÖRN-BERICHT „Dänische Südsee“ Juli / August 2003

Sonntag 13. bis Dienstag 15.Juli 2003 – Neustadt i.H. – Damp
Eigentlich beginnt der Törn ja schon am Sonntag 13. Juli. Steffen segelt „Agapi Mou“ von Neustadt nach Damp. „Sonst kommen wir nie in Dänemark an“.
Im Nachhinein stellt sich dies als grandiose Idee heraus. Schon am ersten Seetag konnten wir so die Grenzlinie zu Dänemark überqueren.

Im Hafen von Sonderborg

0. Tag – Freitag 18.Juli 2003 – Damp
Silvia reist an ihrem ersten Urlaubstag aus München an und landet morgens mit einem der ersten Flieger am Hamburger Flughafen.
Direkt anschließend besorgen wir in Hamburg und Ahrensburg noch fehlendes Equipment und natürlich jede Menge Proviant.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Auto zum Ostseebad Damp zum Boot. Das Auto stellen wir für die Dauer des Törns auf dem Großparkplatz in Damp ab.
Noch an diesem Abend beladen wir an Bord der Agapi Mou alle Luken mit Gepäck, Proviant und natürlich mit Bier. Schlauchboot-Kajak als Dingi, Schnorchel, Flossen und Taucherbrille müssen natürlich auch verstaut werden.
Um am ersten Abend so richtige Seglerfreiheit zu genießen, ankern wir neben dem Hafen, kochen eine Dose Soljanka und übernachten „ankernd“.

Bunkern für den Törn in die Dänische Südsee

1. Tag: Samstag 19.Juli 2003 – Damp – Sønderborg
Bei Sonnenschein am Morgen beginnen wir den ersten Seetag mit einem Bad in der Ostsee.
Gegen Mittag legen wir ab in Richtung Dänemark mit dem Ziel Sønderborg. Als wir nach einigen Seemeilen endlich die Grenze zu Dänemark erreichen, kommt Steffen endlich dazu die dänische Gastlandflagge zu hissen.
Nach ca. 24 sm (am Ende dann mit sehr wenig Wind) kommen wir abends im Stadthafen Sønderborg an, wo wir zum Festmachen zum ersten Mal die Technik des „Päckchenlegens“ ausprobieren. Klappte ganz gut und wir feiern diesen ersten Erfolg mit einem Bierchen und Büsumer Hummersuppe.
Unglaublich – wir sind mit „Agapi Mou“ in Dänemark!
Beim Laden der Akkus für unser GPS fällt vor lauter Übermut einer der am Vormittag neu erstandenen Akkus zwischen die Holzplanken der Promenade. In einer mitternächtlichen Aktion mit zeitweiligem Verlust einer Gabel, wird der Akku dann schließlich wieder geborgen und wir verbringen eine weitere ruhige Nacht.
Morgen soll es durch die Hebebrücke durch den Sund gehen.

2. Tag: Sonntag 20.Juli 2003, Sønderborg – Als Sund und Als Fjord, Knarhøj Bug
Nachdem wir an diesem Morgen doch nicht so früh aus dem Bett kommen wie geplant und dann doch noch die Hafengebühr bei einer allerdings hübschen und netten Dänin entrichten müssen, lassen wir es gemütlich angehen und beobachten das „Happening“ im Hafen und unter der Hebebrücke.
Nach einiger Zeit erscheint ein weißes Schiff mit goldener Galionsfigur und weiß uniformierten Matrosen, die Spalier stehen. Wie es sich herausstellt, handelt es sich um das Schiff der Dänischen Königin Margarete II, die Sønderborg einen Besuch abstattet. Dies wird von den Einheimischen mit Musik und „Hurra Flags“ bejubelt..
Nach einem kleinen Stadtrundgang legen wir ab und segeln durch den Als Sund und den Als Fjord. Nach ca. 6 sm ankern wir in der Nähe eines kleinen Fähranlegers in der Knarhøj Bugt, zunächst bei ruhigem Wetter.
Leider dreht gegen Mitternacht der Wind und fegt mit 6-7 Windstärken über uns hinweg. Da ist an Schlaf natürlich nicht zu denken. Über dem Land sind dann auch noch Gewitter zu hören. Als sich das Wetter endlich beruhigt, und es nur noch regnet, können wir noch ein bisschen schlafen.

3. Tag: Montag 21.Juli 2003, um die Insel Als nach Fynshav
Nach einer unruhigen Nacht segeln wir früh weiter durch den Als Fjord, umrunden die Insel Als mit dem Ziel Fynshav.
Silvia behauptet einen „großen Fisch, Delphin oder so was“ gesehen zu haben. Dies wird aber zunächst von Steffen als Halluzination abgetan.
Nach 23 sm erreichen wir Fynshav und wollen nach den Erfahrungen der letzten Nacht im Hafen festmachen. In dem kleinen Hafen sind aber alle Liegeplätze belegt und so ankern wir bei Sonnenschein neben der Mole vor dem Strand in 1,5 m tiefem Wasser. Steffen watet zu Fuß an Land und trägt dabei Hemd und Hose über dem Kopf.
Hier können wir zum ersten Mal vom Geheimnis des von Silvia so getauften „Schwarzen Lochs“ erfahren. „Wie kann es sein, dass in einen VOLL belegten Hafen, mindestens 10 weitere Boote hineinfahren und nicht mehr wieder heraus kommen….??“
An diesem Abend wird jenes Phänomen jedoch nicht mehr aufgelöst.

4. Tag: Dienstag 22.Juli 2003, über den kleinen Belt zur Insel Lyø
Nachdem wir am vorigen Tag schon durch einen Sund und einen Fjord gesegelt waren, stellt die Überquerung des Kleinen Belts in den frühen Morgenstunden kein Problem dar.
Während der Überfahrt bei ruhiger See und schwachem Wind tauchen wie aus dem Nichts vor der Küste der Insel Lyø drei Schweinswale auf Wir sind völlig begeistert von diesem Naturereignis. Die Tiere tauchen mehrmals zum Luftholen auf und schwimmen bewusst nahe um unser Boot herum, verschwinden dann aber leider wieder in der Tiefe.
Somit stellt sich der am Vortag gesichtete „Fisch“ auch als Schweinswal heraus. Wie wir später erfahren, gibt es nur noch ca. 600 dieser Schweinswale und sie sind vom Aussterben bedroht. Nach unserer Rückkehr werden wir unsere Beobachtungen an die GSM melden. (Mehr Infos zu den Schweinswalen auch unter blu-js.de)
Nach 9 Seemeilen festgemacht an der Kaimauer im winzigen Hafen der Insel Lyø. Ein ausgiebiger Ausflug führt uns über die kleine Insel bei strahlendem Sonnenschein in eine irgendwie vergessene Welt. Kopfsteinpflaster, hübsche Fachwerkhäuschen, Autos aus den 70igern, Kornfelder und Wiesen. Im Hafen verkauft ein „Alter-Mann-und-das-Meer“ -Typ geräucherten Lachs (Roged Laks).
In diesem Hafen löst sich schließlich auch das Geheimnis des „Schwarzen Lochs“ auf. Unglaublich, wie viele Boote in so einen winzigen Hafen passen. Jede noch so kleine Lücke wird bis zum Abend mit Booten gefüllt. Sogar in der engen Hafeneinfahrt, die schon mit einem Großsegler eigentlich dicht ist, geht gegen Abend noch ein weiterer Großsegler längsseits. Aber alles läuft ganz friedlich ab – eben typisch dänisch.
Steffens Freiheitsdrang wird natürlich im Hafen sehr auf die Probe gestellt. Silvia hingegen fühlt sich doch wesentlich wohler als beim Ankern.

5. Tag: Mittwoch 23.Juli 2003, von Lyø nach Faaborg
Ein kurzer 6 sm Törn führt uns am 5.Tag zur Insel Fyn (Fünen) in den Hafen des Segelclubs Faaborg. Im netten Hafenstädtchen Faaborg kaufen wir Brot und Fleisch zum Grillen. Steffen vertilgt schon auf dem Weg durch die Stadt ein ganzes Brot! Gebäck schmeckt bei den Dänen wirklich gut. Zum Glück haben manche Supermärkte bis 19.00 Uhr geöffnet, die normalen Geschäfte schließen hier nämlich regelmäßig schon um 17.30 Uhr.
Inzwischen haben wir auch schon etwas Dänisch gelernt:
„ø“ heißt Insel, „tak“ ist bitte und auch danke. Und mit dem Begrüßungswort „hej hej“ kann schon mal nichts passieren. Und sollte doch was schief gehen, reicht ein einfaches „Undskyld“! (Unschuld – Entschuldigung).

6. Tag: Donnerstag 24.Juli 2003, Faaborg Hafentag
Weil es uns so gut gefällt, bleiben wir noch einen Tag in Faaborg. Steffen repariert die Badeleiter und unternimmt eine kleine Paddeltour mit unserem roten, aufblasbaren Kajak.
Im Hafen werden an diesem Tag alte Großsegeler, die sogenannten „Gamle Båden“ erwartet. Am Hafen ist auch ein Festzelt aufgebaut, wo es laut Aussage eines netten, älteren dänischen Bootsnachbarn, auch „Bier“ zu kaufen gibt. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und stehen bei einem Gewitterschauer und strömenden Regen bei einem dänischen Bier im Festzelt.

7. Tag: Freitag 25.Juli 2003, Faaborg – Insel Avernakø, Korshavn
Nach zwei gemütlichen Hafentagen segeln wir 7 sm um die Insel Bjørnø zur Insel Avernakø, nach Korshavn. Bei Sonnenwetter und ruhigem Wind beschliessen wir, vor dem kleinen Hafen in der Bucht zu ankern. Nachdem wir mehrmals umankern, setzen wir mit dem Kajak auf die Insel über.
Ein leckeres Abendessen mit Nudeln und Gulasch beendet den Abend. In der Nacht kommt natürlich wie aus heiterem Himmel wieder Wind und Regen auf. Irgendwie haben wir mit dem Ankern kein Glück.

8. Tag: Samstag 26.Juli 2003, von Korshavn zur Insel Ærø nach Ærøskøbing
Nach dem Frühstück machen wir einen ausgiebigen Rundgang über die Insel.
Später bekommt unser Schlauchboot Besuch von einer dicken, bettelnden Seemöve.
Bei aufkommendem Wind am Abend wird es uns in der Bucht zu unruhig und wir setzen Segel, um an Dreijø vorbei zur Insel Ærø zu segeln. Bei teilweise 6 Knoten Fahrt kommen wir zügig voran und erreichen nach 9 sm schließlich die Stadt Ærøskøbing. Bei ruhigem Wasser und wenig Wind ankern wir nahe dem Hafen, in einer unserer Meinung nach geschützten Bucht, wo auch noch sehr viele andere Boote festgemacht haben.

Strandidylle

9. Tag: Sonntag 27.Juli 2003, Ærøskøbing Hafentag
Frühmorgens werden wir jäh von Regen und Sturm aus dem Schlaf gerissen. Kurz danach bemerken wir, daß sich der Anker losgerissen hat. Bis der Anker wieder an Bord ist, driften wir nur Millimeter an der Hafenmole vorbei, bis Steffen in einer mutigen Aktion von Bord springt und den Bug von der Mole wegdrückt und wir so Kurs auf den Hafen nehmen können.
Völlig unter Schock finden wir endlich einen Liegeplatz im Hafen und erholen uns erst mal stundenlang.
Zur Nervenberuhigung gibt es einen superleckeren Zimt-Rosinen Fladen und Kuchen mit Heidelbeeren und Erdnüssen.
Abends gönnen wir uns in der Pfanne gebratenenen frischen Lachs.
Ab sofort werden wir immer einen Hafen zum Übernachten anlaufen. Auch wenn Steffen genervt ist von den „Stegscheckeln“ mit Hündchen und Superyachten, die die Segel nur setzen, weil es schön aussieht und halt so dazu gehört.

10. Tag: Montag 28.Juli 2003, Ærøskøbing Hafentag
Geplant ist heute nach Marstal zu segeln um dann am nächsten Tag nach Damp überzusetzen.
Bei strahlendem Sonnenwetter entdecken wir dann aber doch noch den Super-Strand von Ærøskøbing und gehen erstmal ausgiebigst Baden. Am Abend grillen wir. Chefkoch Steffen zaubert schmackhafte Hackbällchen.

11. Tag: Dienstag 30.Juli 2003, Ærøskøbing – über Marstal nach Bagenkop (Insel Langeland)
Mittags von Ærøskøbing – über Marstal nach Bagenkop (Insel Langeland) gesegelt. Nach ausgiebiger Diskussion nehmen wir dann doch nicht die „Abkürzung“ (Risiko, wegen teilweiser geringer Wassertiefe von einem Guten Meter) und kommen so an der Insel Birkholm vorbei .
Leider müssen wir bei Flaute einige Seemeilen unter Motor zurücklegen. Im Fahrwasser nach Marstal setzen wir sobald es geht wieder Segel und kommen bei ruhigem Wetter in Richtung Langeland voran.
Zum Abschied aus der dänischen Südsee taucht am Abend nochmal ein Schweinswal schnaufend aus dem Meer auf. Steffen möchte am liebsten hinterherspringen.
Nach 17,6 sm legen wir dann bei Dunkelheit in Bagenkop neben der Kiel-Langeland Fähre an der Kaimauer an. Die Ansteuerung des Hafens bei Dunkelheit stellt kein Problem dar … und Steffen kann so endlich seine erst kürzlich reparierten Positionslampen zum Einsatz bringen. Schade nur, dass uns eigentlich keiner gesehen hat, wir waren weit und breit das einzigste Boot auf dem Meer.

12. Tag: Mittwoch 31.Juli 2003, Bagenkop – Lippe
Morgens um 5.00 Uhr in Bagenkop abgelegt mit Ziel Fehmarn. Wellen, Strom und wenig Wind machen uns einen Strich durch die Rechnung, und wir peilen als neues Ziel den Hafen Lippe an der Schleswig-Holstein-Küste an.
Auf dem Weg über die Ostsee (insgesamt 27,5 sm) kommen wir sogar noch an einer echten Heulboje vorbei, deren Gesang man noch einige Meilen weit hören kann. Silvia hat ja nicht geglaubt, dass es die wirklich gibt.
Erschöpft aber glücklich über diesen großen Schlag machen wir gegen 13.30 Uhr in Lippe fest.

13. Tag: Donnerstag 1.August 2003, Lippe – Großenbrode
Vorletzte Etappe von Lippe durch den Fehmarnsund nach Großenbrode. Bei gutem Wind kommen wir zügig in Richtung Fehmarnsund voran.
Natürlich kommt uns der Wind direkt durch die Sundbrücke entgegen, so dass wir lange aufkreuzen müssen, um die Brücke dann schließlich im flachen Winkel zwischen den beiden Hauptpfeilern, segelnd zu durchqueren. Wer braucht schon einen Motor …
Aus Vernunftsgründen und nach 29 sm machen wir gegen Nachmittag im Großenbroder Binnensee im Hafen der Klementwerft fest. Inzwischen schockt uns auch ein Liegeplatz mit Riesendalben nicht mehr. Nach einem erfrischenden Bad in der Brandung erweist sich dieser Liegeplatz als recht gemütlich.
Im Cockpit sitzend, geht hinter dem Heck die Sonne glutrot unter. So findet selbst Steffen diesen Hafen gut.

Hafen

14. Tag: Freitag 2.August 2003, Großenbrode – Neustadt (Heimathafen)
Letzter Seetag: von Großenbrode nach Neustadt. Anfänglich segelt „Agapi Mou“ bei wenig Welle fast von alleine. Später kommen dann mehr Wind und Wellen auf, aber so kommen wir wenigstens zügig voran.
Nach 24,5 sm erreichen wir glücklich, braungebrannt und um unvergessliche Erfahrungen reicher, unseren Heimathafen in Neustadt.

Heimathafen, Samstag 3.August 2003, Neustadt
Eigentlich wollen wir uns von „Agapi Mou“ gar nicht mehr trennen und bleiben noch weitere Tage an Bord.
Insgesamt haben wir rund 300 sm zurückgelegt und sind zu richtigen Seebären geworden.
Ship ø høj !