2004 – Lolland-Törn

Neustadt – Fehmarn
Es geht los. Samstag 7.August 2004. Wir legen um 7 Uhr in Neustadt ab – mit dem Ziel Fehmarn. Der Wetterbericht sagt 3-4 Beaufort, Südwest Wind und 25-30°C voraus. Bereits einige Seemeilen vor Großenbrode haben wir mit ziemlich hohen Wellen zu kämpfen, sodass wir nach ca. 28 sm erst einmal in Großenbrode bei der Yachtwerft Klemens festmachen. Wir kennen den Hafen und den nahen Strand mit den bei diesem Wellengang herrlichen Brandung und nutzen die Gelegenheit zum Baden.
Am nächsten Morgen planen wir über die Insel Fehmarn hinaus in Richtung Lolland zu segeln. Wieder gibt es hohen Seegang bei eigentlich mäßigem Ostwind – nach einem „Ausflug“ an die Ostküste von Fehmarn bei Stabenhuk, drehen wir nach Westen ab, segeln durch die Sundbrücke und machen nach ca. 22 sm im idyllischen Hafen von Lemkenhafen fest. Hier begrüßt uns eine sehr nette Hafenmeisterin und weist uns endlich einmal einen kleinen, unserer Bootsgröße angepaßten Liegeplatz zu.

Fehmarn – Albuen (Lolland)
Montag 9. August 2004 – wir legen um kurz nach 5 Uhr ab – der Schlag über den Fehmarnbelt nach Lolland steht an. Wind: 4-5- Bf, Ost, leicht bewölkt bei 27-30°C. Ideale Bedingungen also. Nach 33 sm und mehr als sieben Stunden legen wir in Albuen auf Lolland an. Albuen heißt übersetzt „Ellenbogen“ und liegt im Südwesten Lollands. Die Einfahrt zum Hafen führt über eine schmale unbetonnte Fahrrinne – daneben ist es sofort flach. Steffen peilt gut und wir legen an einem einsamen Steg an.
Man merkt, auch in Dänemark sind die Sommerferien bereits vorbei – wir sind fast alleine hier. Bei herrlichem Sonnenwetter bleiben wir hier zwei Tage und gehen baden mit Blick auf Langeland. Außer einem Leuchtturm, ein paar Fischerhäuschen und einem Plumpsklo gibt es hier nichts – nur Natur und Ruhe.

Albuen – Nakskov
Nach soviel Natur motoren wir am Mittwoch über den Nakskov Fjord in die Stadt Nakskov. Hier legen wir an der Kaimauer an, machen einen Stadtbummel und gehen im Supermarkt einkaufen. Mal wieder sind wir entsetzt über die hohen dänischen Lebensmittelpreise. Auch die hohe Liegegebühr überzeugt uns davon hier wieder abzulegen.
Wir motoren nur 0,5 sm zurück und legen im Seijklub Nakskov an. Hier sieht es aus wie bei den „Strandpiraten“ (Film aus den 70igern): verfallenene Fischerboote, ebensolche Segel- und Motorboote. Wir fragen die Fischer nach der „Havnepenge“ (Hafengebühr) – hier gibt es so etwas nicht. Dafür auch keine sanitären Anlagen – aber Strom und Wasser am Steg aus Hightech Edelstahlsäulen.

Nakskov – Onsevig
Donnerstag 12. August 2004, sechster Seetag. Wir legen in Nakskov ab, wollen um die Westseite Lollands herum nach Veijrø. Das Wetter: es ist bewölkt mit sonnigen Abschnitten, der Wind kommt genau von vorn, genau aus Richtung Veijrø. So legen wir im Nordwesten Lollands in Fischereihafen Onsevig an. Auch hier sind kaum Touristen.
Die Hafengebühr steckt man in einen Umschlag und wirft sie ein – kein Hafenmeister, keine sonstigen Vorschriften Auch außer einem kleinen Kiosk gibt es hier nichts. Oder doch: die Aussicht auf Windräder – zu Lande und zu Wasser. Wir gehen baden – was einigen über Silvias Füße krabbelnde Krebse gar nicht gefällt. Am nächsten Tag, Freitag der 13., regnet es. Später kommt etwas Wind auf, wir nutzen die Zeit um am Boot kleinere Reparaturen zu machen.

Onsevig – Veijrø
Inzwischen ist es Samstag, wir wollen endlich aus Onsevig weg. Wir legen ab, drehen aber bei zwei Meter hohen Wellen wieder um und warten ab. Später am Tag geht es dann doch noch nach Veijrø. Wieder unter Motor – der Wind kommt immer noch von vorn. Die Insel liegt mitten im Smålandsfahrwasser und ist nur per eigenem Boot oder mit einem Privatflugzeug zu erreichen, es gibt keine Fährverbindung.
Wir haben blauen Himmel und Sonne. Hier gibt es sogar Rehe. Die Insel ist in Privatbesitz – es gibt ein paar Autos ohne Nummernschilder, eine Start- und Landebahn für Kleinflugzeuge, Minikiosk/Restaurant und Grillplätze.
Der geschäftstüchtige Inseleigentümer läßt sich den Liegeplatz auch gut bezahlen – zahlt man nicht freiwillig und sofort, muß man beim Besuch des Hafenmeisters am Steg eine zusätzliche Strafgebühr bezahlen. Bei solchen Methoden kommt man, trotz idyllischer Lage, nur einmal hier her. Ein Inselrundgang am Sonntag beendet unseren Aufenthalt auf Veijrø.

Veijrø – Fejø
Am späten Sonntag Nachmittag legen wir in Vejrø ab um die „paar“ Seemeilen nach Fejø zu segeln. Der Wind weht immer noch mit 4-5 Bf, die Wellen haben über zwei Meter. Wir halten durch.
Im Lee vor der Insel Fejø lassen die Wellen nach um vor der Hafeneinfahrt wieder zuzunehmen. Ca. 21 Uhr legen wir im Dybvig Havn an der Kaimauer an. Nach dieser nervenaufreibenden Überfahrt werden wir von einer netten dänischen Hafenmeisterin begrüßt – scheinbar sind wir das einzigste Boot, das heute hier ankam. Ihre Hauptsorge ist aber, daß das kleine Restaurant gerade geschlossen hat – wir haben keinen Hunger – sind froh, daß wir hier überhaupt angekommen sind. Auch andere Gastlieger erkundigen sich nach unserem Befinden – hier ist es nett.
Wir erkunden in den nächsten zwei Tagen die Insel. Kaufen an den kleinen Verkaufsständen frische Zwiebeln, spazieren zum Nordteil, wandern zur Kirche mit den von der Decke hängenden Modellbauschiffen, probieren Äpfel aus den Apfelplantagen und genießen das Leben.

Guldborgsund
12. Seetag, es ist Mittwoch, der 18. August 2004. Wir legen um 7 Uhr ab in Richtung Guldborgsund. Nach drei Stunden passieren wir die Brücke bei Guldborg und legen voller Erwartung im Guldborg Segelclub an der Kaimauer an. „Guldborg“ klingt nach mehr – es ist aber ein verlassenes Dorf mit einem Supermarkt an einer langen Durchfahrtsstraße. Mit Blick auf die Brücke frühstücken wir. Plötzlich kommt Wind auf und die Sundwellen schaukeln unsere Agapi hin und her. Im Clubhaus warten wir auf Wetterberuhigung. Wir holen Benzin Nachschub – eigentlich haben wir ja ein SEGEL-Boot
Gegen Nachmittag legen wir ab und motoren gegen den Wind, Strom und Wellen durch den Guldborgsund nach Nykøbing auf der Insel Falster. Unsere fünfte Insel auf diesem Törn. Die Fahrt durch den Sund ist landschaftlich wunderschön. Erstaunlicherweise kommen uns hier zwei größere Dampfer entgegen – trotz enger Fahrrinne paßt man aber locker aneinander vorbei.
In Nykøbing machen wir fest mit Blick auf die alles beherrschende Zucker-/Getreidefabrik. Das Städtchen ist ganz hübsch und bietet in unmittelbarer Hafennähe sogar einen Aldi – unsere Rettung. Immer noch teurer als bei uns – aber jetzt sind auch mal ein Salat und Kekse drin. Abends gibt es eine Familienpackung Cevapcici – die haben wir uns verdient.

Nysted – Gedser
Am Freitag, 20. August 2004 motoren wir, mal wieder gegen den Wind, gegen den Strom und gegen die Welle durch den südlichen Guldborgsund nach Nysted. Unglaublich wieviel Wellen es bei eigentlich wenig Wind geben kann. Wir liegen an einem Dalbensteg mit Blick auf Schloß Aalholm, Nysted City und Kirche. Leider ist der Hafen nur wenig geschützt und bei aufkommendem nächtlichen Sturm schaukelt Agapi mal wieder wild hin und her. An Schlaf ist nicht zu denken – das Clubhaus ist geschlossen. Wir bugsieren eine Parkbank ins Lee hinter dem Clubhaus und warten mit einer Flasche Rotwein auf weniger Wind.
Den Samstag verbringen wir ebenfalls in Nysted und legen am Sonntag um 5:30 Uhr ab Richtung Windpark und Richtung Heimat. Und schon wieder haben wir meterhohe Wellen, Strömungen und Wind von vorne. Agapi tanzt und hüpft. Die Wellen scheinen uns zu überholen. Mit Motor – ohne Motor – Segel bergen, aber wie? Wir planen um. Mit letzter Kraft und mit ziemlicher Angst schwappen wir nach zwei Stunden in den Hafen von Gedser. Bei starkem Seitenwind legen wir an einem Dalbensteg an. Silvia ist total fertig und beschließt kein Segelboot mehr zu betreten und will schon mit der Fähre über Rostock nach Hause fahren.
Zum Glück gibt es hier einen gastlichen Sejlklub und wir frühstücken in deren Clubhaus im Trockenen und auf festem Boden. Ein anderer Segler aus Berlin meinte: „ganz schön mutig, mit so einem kleinen Boot“. Das finden wir auch und brauchen den ganzen Tag um uns zu beruhigen.

Burgtiefe – Neustadt
Montag, 23. August 2004, 17 Seetag. Es ist fast windstill. Der Wetterbericht meldet wenig Wind und viel Sonne. das ist unsere Chance. Steffen überzeugt Silvia davon, doch lieber mit Agapi Mou mitzukommen. Wir legen um 7:30 Uhr in Gedser ab und motoren mit dem Groß als Stützsegel. Es geht vorbei am Gedser Windpark und großen Tankern auf dem Kiel-Ostsee-Weg. Sieben Stunden und 31 sm später legen wir glücklich in Burgtiefe auf Fehmarn an. Wir taufen unser Segelboot um von „SY Agapi Mou“ in „MS Agapi Mou“. Burgtiefe lohnt sich nicht – eine Mischung aus Plattenbautene und siebziger Jahre Ambiente. Am nächsten Tag soll es nach Hause gehen – Neustadt ist nur einen Tagestörn entfernt.
Am Dienstag laufen wir zweimal aus Burgtiefe aus. Der erste Versuch scheiterte mal wieder an zu hohen Wellen… . Auch der zweite Versuch läßt uns zwar etwas weiter vorankommen, aber Neustadt ist immer noch weit. Wir schwappen frustriert mit den hohen Brandungswellen in Großenbrode ein. Wir hoffen auf den nächsten Tag.

Mittwoch, 25. August – es ist windig, der Wetterbericht meldet Sturm. Wir haben genug und nehmen den Bus nach Neustadt zu unserem Auto und fahren nach Hause. Agapi lassen wir schwerenherzens in Großenbrode zurück.
Am Freitag segelt Steffen mit Dirk das Boot von Großenbrode nach – nein – nicht nach Neustadt – nach Grömitz. Schuld sind mal wieder die Wellen. Wir gehen erst einmal etwas Essen im „Klabautermann“, aber der Wind und die Wellen werden eher mehr. Wir lassen das Boot erneut zurück – in Grömitz, 7 sm vor dem Ziel.
Samstag, 28. August 2004 – das Wetter paßt. Endlich kommt auch Agapi Mou nach Hause zurück.

Der Törn hat uns um viele Erfahrungen reicher gemacht. Wir kennen unsere Grenzen und die von unserer Agapi Mou. Schön war’s trotzdem!

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