2011 – Funkschein „SRC“

So, nun darf ich auch legal an Bord funken.

Nach einer rekordverdächtig kurzen Prüfung (alles zusammen ca. 1 Stunde) habe ich mein Sprechfunkzeugnis, das sogenannte SRC, erhalten.

Das SRC ist ein beschränkt gültiges Funkbetriebszeugnis – SRC (Short Range Certificate) ist das Funkbetriebszeugnis für Führer von Sportbooten und berechtigt zum Betrieb einer UKW-Seefunkanlage. Es ist für den Schiffsführer vorgeschrieben, sobald eine GMDSS-fähige UKW-Funkanlage an Bord ist. Das Zeugnis ist für den Funkbetrieb an Bord von Schiffen unter deutscher Flagge international gültig.

Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Innerhalb von 60 min müssen im Theorieteil 30 Fragen aus einem Fragenkatalog von 257 Fragen schriftlich beantwortet werden.

Ok, das war leicht. Ich hatte Bogen 8.

Eine in englischer Sprache diktierte Meldung muss richtig aufgenommen und ins Deutsche übersetzt werden. Eine weitere Meldung wird schriftlich von Deutsch ins Englische übersetzt.

Auch einfach, wenn man sich die besonderen englischen Begriffe wie “veering to” (rechtdrehend) oder “heavy list to port side “ (starke Schlagseite nach Backbord) merken kann.

Der praktische Teil besteht aus Pflichtaufgaben (Abwicklung Not- und Dringlichkeitsverkehr, jeweils DSC-Aussendung und Sprechfunkabwicklung) und weiteren Aufgaben (aus den Gebieten Sicherheitsverkehr, Routineverkehr, Einstellung des Funkgeräts, …)

Zum Glück war der Prüfer hier gut gelaunt … “wie war das doch gleich – aha RECEIVED MAYDAY …”

2004 – Lolland-Törn

Neustadt – Fehmarn
Es geht los. Samstag 7.August 2004. Wir legen um 7 Uhr in Neustadt ab – mit dem Ziel Fehmarn. Der Wetterbericht sagt 3-4 Beaufort, Südwest Wind und 25-30°C voraus. Bereits einige Seemeilen vor Großenbrode haben wir mit ziemlich hohen Wellen zu kämpfen, sodass wir nach ca. 28 sm erst einmal in Großenbrode bei der Yachtwerft Klemens festmachen. Wir kennen den Hafen und den nahen Strand mit den bei diesem Wellengang herrlichen Brandung und nutzen die Gelegenheit zum Baden.
Am nächsten Morgen planen wir über die Insel Fehmarn hinaus in Richtung Lolland zu segeln. Wieder gibt es hohen Seegang bei eigentlich mäßigem Ostwind – nach einem „Ausflug“ an die Ostküste von Fehmarn bei Stabenhuk, drehen wir nach Westen ab, segeln durch die Sundbrücke und machen nach ca. 22 sm im idyllischen Hafen von Lemkenhafen fest. Hier begrüßt uns eine sehr nette Hafenmeisterin und weist uns endlich einmal einen kleinen, unserer Bootsgröße angepaßten Liegeplatz zu.

Fehmarn – Albuen (Lolland)
Montag 9. August 2004 – wir legen um kurz nach 5 Uhr ab – der Schlag über den Fehmarnbelt nach Lolland steht an. Wind: 4-5- Bf, Ost, leicht bewölkt bei 27-30°C. Ideale Bedingungen also. Nach 33 sm und mehr als sieben Stunden legen wir in Albuen auf Lolland an. Albuen heißt übersetzt „Ellenbogen“ und liegt im Südwesten Lollands. Die Einfahrt zum Hafen führt über eine schmale unbetonnte Fahrrinne – daneben ist es sofort flach. Steffen peilt gut und wir legen an einem einsamen Steg an.
Man merkt, auch in Dänemark sind die Sommerferien bereits vorbei – wir sind fast alleine hier. Bei herrlichem Sonnenwetter bleiben wir hier zwei Tage und gehen baden mit Blick auf Langeland. Außer einem Leuchtturm, ein paar Fischerhäuschen und einem Plumpsklo gibt es hier nichts – nur Natur und Ruhe.

Albuen – Nakskov
Nach soviel Natur motoren wir am Mittwoch über den Nakskov Fjord in die Stadt Nakskov. Hier legen wir an der Kaimauer an, machen einen Stadtbummel und gehen im Supermarkt einkaufen. Mal wieder sind wir entsetzt über die hohen dänischen Lebensmittelpreise. Auch die hohe Liegegebühr überzeugt uns davon hier wieder abzulegen.
Wir motoren nur 0,5 sm zurück und legen im Seijklub Nakskov an. Hier sieht es aus wie bei den „Strandpiraten“ (Film aus den 70igern): verfallenene Fischerboote, ebensolche Segel- und Motorboote. Wir fragen die Fischer nach der „Havnepenge“ (Hafengebühr) – hier gibt es so etwas nicht. Dafür auch keine sanitären Anlagen – aber Strom und Wasser am Steg aus Hightech Edelstahlsäulen.

Nakskov – Onsevig
Donnerstag 12. August 2004, sechster Seetag. Wir legen in Nakskov ab, wollen um die Westseite Lollands herum nach Veijrø. Das Wetter: es ist bewölkt mit sonnigen Abschnitten, der Wind kommt genau von vorn, genau aus Richtung Veijrø. So legen wir im Nordwesten Lollands in Fischereihafen Onsevig an. Auch hier sind kaum Touristen.
Die Hafengebühr steckt man in einen Umschlag und wirft sie ein – kein Hafenmeister, keine sonstigen Vorschriften Auch außer einem kleinen Kiosk gibt es hier nichts. Oder doch: die Aussicht auf Windräder – zu Lande und zu Wasser. Wir gehen baden – was einigen über Silvias Füße krabbelnde Krebse gar nicht gefällt. Am nächsten Tag, Freitag der 13., regnet es. Später kommt etwas Wind auf, wir nutzen die Zeit um am Boot kleinere Reparaturen zu machen.

Onsevig – Veijrø
Inzwischen ist es Samstag, wir wollen endlich aus Onsevig weg. Wir legen ab, drehen aber bei zwei Meter hohen Wellen wieder um und warten ab. Später am Tag geht es dann doch noch nach Veijrø. Wieder unter Motor – der Wind kommt immer noch von vorn. Die Insel liegt mitten im Smålandsfahrwasser und ist nur per eigenem Boot oder mit einem Privatflugzeug zu erreichen, es gibt keine Fährverbindung.
Wir haben blauen Himmel und Sonne. Hier gibt es sogar Rehe. Die Insel ist in Privatbesitz – es gibt ein paar Autos ohne Nummernschilder, eine Start- und Landebahn für Kleinflugzeuge, Minikiosk/Restaurant und Grillplätze.
Der geschäftstüchtige Inseleigentümer läßt sich den Liegeplatz auch gut bezahlen – zahlt man nicht freiwillig und sofort, muß man beim Besuch des Hafenmeisters am Steg eine zusätzliche Strafgebühr bezahlen. Bei solchen Methoden kommt man, trotz idyllischer Lage, nur einmal hier her. Ein Inselrundgang am Sonntag beendet unseren Aufenthalt auf Veijrø.

Veijrø – Fejø
Am späten Sonntag Nachmittag legen wir in Vejrø ab um die „paar“ Seemeilen nach Fejø zu segeln. Der Wind weht immer noch mit 4-5 Bf, die Wellen haben über zwei Meter. Wir halten durch.
Im Lee vor der Insel Fejø lassen die Wellen nach um vor der Hafeneinfahrt wieder zuzunehmen. Ca. 21 Uhr legen wir im Dybvig Havn an der Kaimauer an. Nach dieser nervenaufreibenden Überfahrt werden wir von einer netten dänischen Hafenmeisterin begrüßt – scheinbar sind wir das einzigste Boot, das heute hier ankam. Ihre Hauptsorge ist aber, daß das kleine Restaurant gerade geschlossen hat – wir haben keinen Hunger – sind froh, daß wir hier überhaupt angekommen sind. Auch andere Gastlieger erkundigen sich nach unserem Befinden – hier ist es nett.
Wir erkunden in den nächsten zwei Tagen die Insel. Kaufen an den kleinen Verkaufsständen frische Zwiebeln, spazieren zum Nordteil, wandern zur Kirche mit den von der Decke hängenden Modellbauschiffen, probieren Äpfel aus den Apfelplantagen und genießen das Leben.

Guldborgsund
12. Seetag, es ist Mittwoch, der 18. August 2004. Wir legen um 7 Uhr ab in Richtung Guldborgsund. Nach drei Stunden passieren wir die Brücke bei Guldborg und legen voller Erwartung im Guldborg Segelclub an der Kaimauer an. „Guldborg“ klingt nach mehr – es ist aber ein verlassenes Dorf mit einem Supermarkt an einer langen Durchfahrtsstraße. Mit Blick auf die Brücke frühstücken wir. Plötzlich kommt Wind auf und die Sundwellen schaukeln unsere Agapi hin und her. Im Clubhaus warten wir auf Wetterberuhigung. Wir holen Benzin Nachschub – eigentlich haben wir ja ein SEGEL-Boot
Gegen Nachmittag legen wir ab und motoren gegen den Wind, Strom und Wellen durch den Guldborgsund nach Nykøbing auf der Insel Falster. Unsere fünfte Insel auf diesem Törn. Die Fahrt durch den Sund ist landschaftlich wunderschön. Erstaunlicherweise kommen uns hier zwei größere Dampfer entgegen – trotz enger Fahrrinne paßt man aber locker aneinander vorbei.
In Nykøbing machen wir fest mit Blick auf die alles beherrschende Zucker-/Getreidefabrik. Das Städtchen ist ganz hübsch und bietet in unmittelbarer Hafennähe sogar einen Aldi – unsere Rettung. Immer noch teurer als bei uns – aber jetzt sind auch mal ein Salat und Kekse drin. Abends gibt es eine Familienpackung Cevapcici – die haben wir uns verdient.

Nysted – Gedser
Am Freitag, 20. August 2004 motoren wir, mal wieder gegen den Wind, gegen den Strom und gegen die Welle durch den südlichen Guldborgsund nach Nysted. Unglaublich wieviel Wellen es bei eigentlich wenig Wind geben kann. Wir liegen an einem Dalbensteg mit Blick auf Schloß Aalholm, Nysted City und Kirche. Leider ist der Hafen nur wenig geschützt und bei aufkommendem nächtlichen Sturm schaukelt Agapi mal wieder wild hin und her. An Schlaf ist nicht zu denken – das Clubhaus ist geschlossen. Wir bugsieren eine Parkbank ins Lee hinter dem Clubhaus und warten mit einer Flasche Rotwein auf weniger Wind.
Den Samstag verbringen wir ebenfalls in Nysted und legen am Sonntag um 5:30 Uhr ab Richtung Windpark und Richtung Heimat. Und schon wieder haben wir meterhohe Wellen, Strömungen und Wind von vorne. Agapi tanzt und hüpft. Die Wellen scheinen uns zu überholen. Mit Motor – ohne Motor – Segel bergen, aber wie? Wir planen um. Mit letzter Kraft und mit ziemlicher Angst schwappen wir nach zwei Stunden in den Hafen von Gedser. Bei starkem Seitenwind legen wir an einem Dalbensteg an. Silvia ist total fertig und beschließt kein Segelboot mehr zu betreten und will schon mit der Fähre über Rostock nach Hause fahren.
Zum Glück gibt es hier einen gastlichen Sejlklub und wir frühstücken in deren Clubhaus im Trockenen und auf festem Boden. Ein anderer Segler aus Berlin meinte: „ganz schön mutig, mit so einem kleinen Boot“. Das finden wir auch und brauchen den ganzen Tag um uns zu beruhigen.

Burgtiefe – Neustadt
Montag, 23. August 2004, 17 Seetag. Es ist fast windstill. Der Wetterbericht meldet wenig Wind und viel Sonne. das ist unsere Chance. Steffen überzeugt Silvia davon, doch lieber mit Agapi Mou mitzukommen. Wir legen um 7:30 Uhr in Gedser ab und motoren mit dem Groß als Stützsegel. Es geht vorbei am Gedser Windpark und großen Tankern auf dem Kiel-Ostsee-Weg. Sieben Stunden und 31 sm später legen wir glücklich in Burgtiefe auf Fehmarn an. Wir taufen unser Segelboot um von „SY Agapi Mou“ in „MS Agapi Mou“. Burgtiefe lohnt sich nicht – eine Mischung aus Plattenbautene und siebziger Jahre Ambiente. Am nächsten Tag soll es nach Hause gehen – Neustadt ist nur einen Tagestörn entfernt.
Am Dienstag laufen wir zweimal aus Burgtiefe aus. Der erste Versuch scheiterte mal wieder an zu hohen Wellen… . Auch der zweite Versuch läßt uns zwar etwas weiter vorankommen, aber Neustadt ist immer noch weit. Wir schwappen frustriert mit den hohen Brandungswellen in Großenbrode ein. Wir hoffen auf den nächsten Tag.

Mittwoch, 25. August – es ist windig, der Wetterbericht meldet Sturm. Wir haben genug und nehmen den Bus nach Neustadt zu unserem Auto und fahren nach Hause. Agapi lassen wir schwerenherzens in Großenbrode zurück.
Am Freitag segelt Steffen mit Dirk das Boot von Großenbrode nach – nein – nicht nach Neustadt – nach Grömitz. Schuld sind mal wieder die Wellen. Wir gehen erst einmal etwas Essen im „Klabautermann“, aber der Wind und die Wellen werden eher mehr. Wir lassen das Boot erneut zurück – in Grömitz, 7 sm vor dem Ziel.
Samstag, 28. August 2004 – das Wetter paßt. Endlich kommt auch Agapi Mou nach Hause zurück.

Der Törn hat uns um viele Erfahrungen reicher gemacht. Wir kennen unsere Grenzen und die von unserer Agapi Mou. Schön war’s trotzdem!

2003 – Dänemark-Törn

TÖRN-BERICHT „Dänische Südsee“ Juli / August 2003

Sonntag 13. bis Dienstag 15.Juli 2003 – Neustadt i.H. – Damp
Eigentlich beginnt der Törn ja schon am Sonntag 13. Juli. Steffen segelt „Agapi Mou“ von Neustadt nach Damp. „Sonst kommen wir nie in Dänemark an“.
Im Nachhinein stellt sich dies als grandiose Idee heraus. Schon am ersten Seetag konnten wir so die Grenzlinie zu Dänemark überqueren.

Im Hafen von Sonderborg

0. Tag – Freitag 18.Juli 2003 – Damp
Silvia reist an ihrem ersten Urlaubstag aus München an und landet morgens mit einem der ersten Flieger am Hamburger Flughafen.
Direkt anschließend besorgen wir in Hamburg und Ahrensburg noch fehlendes Equipment und natürlich jede Menge Proviant.
Am Nachmittag fahren wir mit dem Auto zum Ostseebad Damp zum Boot. Das Auto stellen wir für die Dauer des Törns auf dem Großparkplatz in Damp ab.
Noch an diesem Abend beladen wir an Bord der Agapi Mou alle Luken mit Gepäck, Proviant und natürlich mit Bier. Schlauchboot-Kajak als Dingi, Schnorchel, Flossen und Taucherbrille müssen natürlich auch verstaut werden.
Um am ersten Abend so richtige Seglerfreiheit zu genießen, ankern wir neben dem Hafen, kochen eine Dose Soljanka und übernachten „ankernd“.

Bunkern für den Törn in die Dänische Südsee

1. Tag: Samstag 19.Juli 2003 – Damp – Sønderborg
Bei Sonnenschein am Morgen beginnen wir den ersten Seetag mit einem Bad in der Ostsee.
Gegen Mittag legen wir ab in Richtung Dänemark mit dem Ziel Sønderborg. Als wir nach einigen Seemeilen endlich die Grenze zu Dänemark erreichen, kommt Steffen endlich dazu die dänische Gastlandflagge zu hissen.
Nach ca. 24 sm (am Ende dann mit sehr wenig Wind) kommen wir abends im Stadthafen Sønderborg an, wo wir zum Festmachen zum ersten Mal die Technik des „Päckchenlegens“ ausprobieren. Klappte ganz gut und wir feiern diesen ersten Erfolg mit einem Bierchen und Büsumer Hummersuppe.
Unglaublich – wir sind mit „Agapi Mou“ in Dänemark!
Beim Laden der Akkus für unser GPS fällt vor lauter Übermut einer der am Vormittag neu erstandenen Akkus zwischen die Holzplanken der Promenade. In einer mitternächtlichen Aktion mit zeitweiligem Verlust einer Gabel, wird der Akku dann schließlich wieder geborgen und wir verbringen eine weitere ruhige Nacht.
Morgen soll es durch die Hebebrücke durch den Sund gehen.

2. Tag: Sonntag 20.Juli 2003, Sønderborg – Als Sund und Als Fjord, Knarhøj Bug
Nachdem wir an diesem Morgen doch nicht so früh aus dem Bett kommen wie geplant und dann doch noch die Hafengebühr bei einer allerdings hübschen und netten Dänin entrichten müssen, lassen wir es gemütlich angehen und beobachten das „Happening“ im Hafen und unter der Hebebrücke.
Nach einiger Zeit erscheint ein weißes Schiff mit goldener Galionsfigur und weiß uniformierten Matrosen, die Spalier stehen. Wie es sich herausstellt, handelt es sich um das Schiff der Dänischen Königin Margarete II, die Sønderborg einen Besuch abstattet. Dies wird von den Einheimischen mit Musik und „Hurra Flags“ bejubelt..
Nach einem kleinen Stadtrundgang legen wir ab und segeln durch den Als Sund und den Als Fjord. Nach ca. 6 sm ankern wir in der Nähe eines kleinen Fähranlegers in der Knarhøj Bugt, zunächst bei ruhigem Wetter.
Leider dreht gegen Mitternacht der Wind und fegt mit 6-7 Windstärken über uns hinweg. Da ist an Schlaf natürlich nicht zu denken. Über dem Land sind dann auch noch Gewitter zu hören. Als sich das Wetter endlich beruhigt, und es nur noch regnet, können wir noch ein bisschen schlafen.

3. Tag: Montag 21.Juli 2003, um die Insel Als nach Fynshav
Nach einer unruhigen Nacht segeln wir früh weiter durch den Als Fjord, umrunden die Insel Als mit dem Ziel Fynshav.
Silvia behauptet einen „großen Fisch, Delphin oder so was“ gesehen zu haben. Dies wird aber zunächst von Steffen als Halluzination abgetan.
Nach 23 sm erreichen wir Fynshav und wollen nach den Erfahrungen der letzten Nacht im Hafen festmachen. In dem kleinen Hafen sind aber alle Liegeplätze belegt und so ankern wir bei Sonnenschein neben der Mole vor dem Strand in 1,5 m tiefem Wasser. Steffen watet zu Fuß an Land und trägt dabei Hemd und Hose über dem Kopf.
Hier können wir zum ersten Mal vom Geheimnis des von Silvia so getauften „Schwarzen Lochs“ erfahren. „Wie kann es sein, dass in einen VOLL belegten Hafen, mindestens 10 weitere Boote hineinfahren und nicht mehr wieder heraus kommen….??“
An diesem Abend wird jenes Phänomen jedoch nicht mehr aufgelöst.

4. Tag: Dienstag 22.Juli 2003, über den kleinen Belt zur Insel Lyø
Nachdem wir am vorigen Tag schon durch einen Sund und einen Fjord gesegelt waren, stellt die Überquerung des Kleinen Belts in den frühen Morgenstunden kein Problem dar.
Während der Überfahrt bei ruhiger See und schwachem Wind tauchen wie aus dem Nichts vor der Küste der Insel Lyø drei Schweinswale auf Wir sind völlig begeistert von diesem Naturereignis. Die Tiere tauchen mehrmals zum Luftholen auf und schwimmen bewusst nahe um unser Boot herum, verschwinden dann aber leider wieder in der Tiefe.
Somit stellt sich der am Vortag gesichtete „Fisch“ auch als Schweinswal heraus. Wie wir später erfahren, gibt es nur noch ca. 600 dieser Schweinswale und sie sind vom Aussterben bedroht. Nach unserer Rückkehr werden wir unsere Beobachtungen an die GSM melden. (Mehr Infos zu den Schweinswalen auch unter blu-js.de)
Nach 9 Seemeilen festgemacht an der Kaimauer im winzigen Hafen der Insel Lyø. Ein ausgiebiger Ausflug führt uns über die kleine Insel bei strahlendem Sonnenschein in eine irgendwie vergessene Welt. Kopfsteinpflaster, hübsche Fachwerkhäuschen, Autos aus den 70igern, Kornfelder und Wiesen. Im Hafen verkauft ein „Alter-Mann-und-das-Meer“ -Typ geräucherten Lachs (Roged Laks).
In diesem Hafen löst sich schließlich auch das Geheimnis des „Schwarzen Lochs“ auf. Unglaublich, wie viele Boote in so einen winzigen Hafen passen. Jede noch so kleine Lücke wird bis zum Abend mit Booten gefüllt. Sogar in der engen Hafeneinfahrt, die schon mit einem Großsegler eigentlich dicht ist, geht gegen Abend noch ein weiterer Großsegler längsseits. Aber alles läuft ganz friedlich ab – eben typisch dänisch.
Steffens Freiheitsdrang wird natürlich im Hafen sehr auf die Probe gestellt. Silvia hingegen fühlt sich doch wesentlich wohler als beim Ankern.

5. Tag: Mittwoch 23.Juli 2003, von Lyø nach Faaborg
Ein kurzer 6 sm Törn führt uns am 5.Tag zur Insel Fyn (Fünen) in den Hafen des Segelclubs Faaborg. Im netten Hafenstädtchen Faaborg kaufen wir Brot und Fleisch zum Grillen. Steffen vertilgt schon auf dem Weg durch die Stadt ein ganzes Brot! Gebäck schmeckt bei den Dänen wirklich gut. Zum Glück haben manche Supermärkte bis 19.00 Uhr geöffnet, die normalen Geschäfte schließen hier nämlich regelmäßig schon um 17.30 Uhr.
Inzwischen haben wir auch schon etwas Dänisch gelernt:
„ø“ heißt Insel, „tak“ ist bitte und auch danke. Und mit dem Begrüßungswort „hej hej“ kann schon mal nichts passieren. Und sollte doch was schief gehen, reicht ein einfaches „Undskyld“! (Unschuld – Entschuldigung).

6. Tag: Donnerstag 24.Juli 2003, Faaborg Hafentag
Weil es uns so gut gefällt, bleiben wir noch einen Tag in Faaborg. Steffen repariert die Badeleiter und unternimmt eine kleine Paddeltour mit unserem roten, aufblasbaren Kajak.
Im Hafen werden an diesem Tag alte Großsegeler, die sogenannten „Gamle Båden“ erwartet. Am Hafen ist auch ein Festzelt aufgebaut, wo es laut Aussage eines netten, älteren dänischen Bootsnachbarn, auch „Bier“ zu kaufen gibt. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und stehen bei einem Gewitterschauer und strömenden Regen bei einem dänischen Bier im Festzelt.

7. Tag: Freitag 25.Juli 2003, Faaborg – Insel Avernakø, Korshavn
Nach zwei gemütlichen Hafentagen segeln wir 7 sm um die Insel Bjørnø zur Insel Avernakø, nach Korshavn. Bei Sonnenwetter und ruhigem Wind beschliessen wir, vor dem kleinen Hafen in der Bucht zu ankern. Nachdem wir mehrmals umankern, setzen wir mit dem Kajak auf die Insel über.
Ein leckeres Abendessen mit Nudeln und Gulasch beendet den Abend. In der Nacht kommt natürlich wie aus heiterem Himmel wieder Wind und Regen auf. Irgendwie haben wir mit dem Ankern kein Glück.

8. Tag: Samstag 26.Juli 2003, von Korshavn zur Insel Ærø nach Ærøskøbing
Nach dem Frühstück machen wir einen ausgiebigen Rundgang über die Insel.
Später bekommt unser Schlauchboot Besuch von einer dicken, bettelnden Seemöve.
Bei aufkommendem Wind am Abend wird es uns in der Bucht zu unruhig und wir setzen Segel, um an Dreijø vorbei zur Insel Ærø zu segeln. Bei teilweise 6 Knoten Fahrt kommen wir zügig voran und erreichen nach 9 sm schließlich die Stadt Ærøskøbing. Bei ruhigem Wasser und wenig Wind ankern wir nahe dem Hafen, in einer unserer Meinung nach geschützten Bucht, wo auch noch sehr viele andere Boote festgemacht haben.

Strandidylle

9. Tag: Sonntag 27.Juli 2003, Ærøskøbing Hafentag
Frühmorgens werden wir jäh von Regen und Sturm aus dem Schlaf gerissen. Kurz danach bemerken wir, daß sich der Anker losgerissen hat. Bis der Anker wieder an Bord ist, driften wir nur Millimeter an der Hafenmole vorbei, bis Steffen in einer mutigen Aktion von Bord springt und den Bug von der Mole wegdrückt und wir so Kurs auf den Hafen nehmen können.
Völlig unter Schock finden wir endlich einen Liegeplatz im Hafen und erholen uns erst mal stundenlang.
Zur Nervenberuhigung gibt es einen superleckeren Zimt-Rosinen Fladen und Kuchen mit Heidelbeeren und Erdnüssen.
Abends gönnen wir uns in der Pfanne gebratenenen frischen Lachs.
Ab sofort werden wir immer einen Hafen zum Übernachten anlaufen. Auch wenn Steffen genervt ist von den „Stegscheckeln“ mit Hündchen und Superyachten, die die Segel nur setzen, weil es schön aussieht und halt so dazu gehört.

10. Tag: Montag 28.Juli 2003, Ærøskøbing Hafentag
Geplant ist heute nach Marstal zu segeln um dann am nächsten Tag nach Damp überzusetzen.
Bei strahlendem Sonnenwetter entdecken wir dann aber doch noch den Super-Strand von Ærøskøbing und gehen erstmal ausgiebigst Baden. Am Abend grillen wir. Chefkoch Steffen zaubert schmackhafte Hackbällchen.

11. Tag: Dienstag 30.Juli 2003, Ærøskøbing – über Marstal nach Bagenkop (Insel Langeland)
Mittags von Ærøskøbing – über Marstal nach Bagenkop (Insel Langeland) gesegelt. Nach ausgiebiger Diskussion nehmen wir dann doch nicht die „Abkürzung“ (Risiko, wegen teilweiser geringer Wassertiefe von einem Guten Meter) und kommen so an der Insel Birkholm vorbei .
Leider müssen wir bei Flaute einige Seemeilen unter Motor zurücklegen. Im Fahrwasser nach Marstal setzen wir sobald es geht wieder Segel und kommen bei ruhigem Wetter in Richtung Langeland voran.
Zum Abschied aus der dänischen Südsee taucht am Abend nochmal ein Schweinswal schnaufend aus dem Meer auf. Steffen möchte am liebsten hinterherspringen.
Nach 17,6 sm legen wir dann bei Dunkelheit in Bagenkop neben der Kiel-Langeland Fähre an der Kaimauer an. Die Ansteuerung des Hafens bei Dunkelheit stellt kein Problem dar … und Steffen kann so endlich seine erst kürzlich reparierten Positionslampen zum Einsatz bringen. Schade nur, dass uns eigentlich keiner gesehen hat, wir waren weit und breit das einzigste Boot auf dem Meer.

12. Tag: Mittwoch 31.Juli 2003, Bagenkop – Lippe
Morgens um 5.00 Uhr in Bagenkop abgelegt mit Ziel Fehmarn. Wellen, Strom und wenig Wind machen uns einen Strich durch die Rechnung, und wir peilen als neues Ziel den Hafen Lippe an der Schleswig-Holstein-Küste an.
Auf dem Weg über die Ostsee (insgesamt 27,5 sm) kommen wir sogar noch an einer echten Heulboje vorbei, deren Gesang man noch einige Meilen weit hören kann. Silvia hat ja nicht geglaubt, dass es die wirklich gibt.
Erschöpft aber glücklich über diesen großen Schlag machen wir gegen 13.30 Uhr in Lippe fest.

13. Tag: Donnerstag 1.August 2003, Lippe – Großenbrode
Vorletzte Etappe von Lippe durch den Fehmarnsund nach Großenbrode. Bei gutem Wind kommen wir zügig in Richtung Fehmarnsund voran.
Natürlich kommt uns der Wind direkt durch die Sundbrücke entgegen, so dass wir lange aufkreuzen müssen, um die Brücke dann schließlich im flachen Winkel zwischen den beiden Hauptpfeilern, segelnd zu durchqueren. Wer braucht schon einen Motor …
Aus Vernunftsgründen und nach 29 sm machen wir gegen Nachmittag im Großenbroder Binnensee im Hafen der Klementwerft fest. Inzwischen schockt uns auch ein Liegeplatz mit Riesendalben nicht mehr. Nach einem erfrischenden Bad in der Brandung erweist sich dieser Liegeplatz als recht gemütlich.
Im Cockpit sitzend, geht hinter dem Heck die Sonne glutrot unter. So findet selbst Steffen diesen Hafen gut.

Hafen

14. Tag: Freitag 2.August 2003, Großenbrode – Neustadt (Heimathafen)
Letzter Seetag: von Großenbrode nach Neustadt. Anfänglich segelt „Agapi Mou“ bei wenig Welle fast von alleine. Später kommen dann mehr Wind und Wellen auf, aber so kommen wir wenigstens zügig voran.
Nach 24,5 sm erreichen wir glücklich, braungebrannt und um unvergessliche Erfahrungen reicher, unseren Heimathafen in Neustadt.

Heimathafen, Samstag 3.August 2003, Neustadt
Eigentlich wollen wir uns von „Agapi Mou“ gar nicht mehr trennen und bleiben noch weitere Tage an Bord.
Insgesamt haben wir rund 300 sm zurückgelegt und sind zu richtigen Seebären geworden.
Ship ø høj !

Galerie

2010 – SKS, Flensburger Förde

Sportküstenschifferschein.
Törn und Praktische Prüfung beim DHH, Glücksburg.

Am 20.08.2010 fand auf der Flensburger Förde vor Glücksburg die praktische Prüfung zum SKS (Sportküstenschifferschein) statt.

Voraus ging eine Woche intensives Manövertraining durch unseren Ausbilder Joachim auf der SY Kormoran (Beneteau Oceanis 37) von der Hanseatischen Yachtschule in Glücksburg. Wettermäßig war in dieser Woche von Sonne, Regen, viel und wenig Wind, Wellen und ruhige See alles geboten. So konnten wir unsere Kenntnisse bei unzähligen Wenden, Halsen und „Boje über Bord“ Manövern und bei verschiedenen Wetterbedingungen erweitern und die Kommandos (Klar zum Halsen, hold dicht die Groschschot, fier auf die Großschot usw.) richtig einüben. Joachim hat uns dies mit Geduld und Nachdruck und stets mit Humor und guter Laune vermittelt.

Am Ende waren wir als Crew richtig gut eingespielt und relativ (nach außen hin zumindest) entspannt, was die Prüfer auch sofort bemerkten, als sie am Prüfungsmorgen an Bord kamen.

Es kamen zwei Prüfer an Bord, ein Prüfer blieb an Deck, der andere Prüfer stellte unter Deck nacheinander jedem von uns Fragen zum Schiff, zum Wetter, Lenzpumpen, Peilungen mit dem Handkompass und Eintragen in die Seekarte oder zu den Rettungswesten.

Jeder Prüfling musste einmal das „Boje über Bord“ Manöver unter Motor und unter Segel fahren. Das klappte bei allen Crewmitgliedern sehr gut. Auch die weiteren Manöver wie Ablegen, Reffen, Aufschießer an einer Boje, Wenden auf engstem Raum oder Beiliegen haben super geklappt und so haben Antje, Rebekka, Johann, Marvin und ich ohne Probleme bestanden!

Da ich schon die theoretische Prüfung bestanden hatte, konnte ich dann auch am Nachmittag meinen ersehnten SKS Schein in Empfang nehmen.